Andacht "Sehnsucht"

Nachricht Hann. Münden, 03. Oktober 2026
Pastorin Heide Michaela Panke, Krankenhaus- und Hospizseelsorge im Altkirchenkreis Münden

Am 3. Oktober ist er im Alter von 44 Jahren gestorben. Verstoßen vom Vater. Arm und bloß auf dem Boden liegend mit einem Lied auf dem Lippen: „Höchster, allmächtiger, guter Herr, … gelobt seist du mit allen deinen Geschöpfen, besonders mit dem Herrn Bruder Sonne, der uns den Tag schenkt und durch den du uns leuchtest …“. Im Sterben singt Franz von Assisi 1226 den Sonnengesang.

Bei uns hier feiern wir 800 Jahre später den Tag der deutschen Einheit. Mich berührt diese zufällige Überschneidung der Gedenktage. Im Leben des Franz von Assisi und im Gedenktag der Wiedervereinigung erkenne ich eine tiefe Sehnsucht: die Sehnsucht nach gelingendem Miteinander, nach Überwindung von Trennungen und nach Brückenbauen.

Die deutsche Wiedervereinigung hat gezeigt, dass Mauern durch den friedlichen Ruf nach Freiheit einstürzen können. Franz von Assisi brach aus seiner privilegierten Welt als reicher Sohn aus, um die Gräben zwischen Reich und Arm, Mensch und Schöpfung, sogar zwischen Christentum und Islam zu überbrücken. Im Gebet bringt er seine Sehnsucht vor Gott: „O Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens, dass ich liebe, wo man sich hasst, dass ich verzeihe, wo man beleidigt ist, dass ich verbinde, wo Streit ist, dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist, dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht, dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält, dass ich ein Licht anzünde, wo Finsternis regiert, dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.“

Wir wissen: ein gelingendes Miteinander, das Suchen nach Einheit ist mit Arbeit verbunden: einem achtsamen Umgang mit Natur, Geschöpf und Mitmenschen, mit Verzicht auf Eigennutz und dem Abbau von Vorurteilen. Wo heute neue Mauern in Köpfen und Herzen wachsen, bitte ich mit Franz von Assisi: „Herr, gib uns Mut, aufeinander zuzugehen und Trennendes zu überwinden, gib uns Liebe ins Herz und mach uns zu Werkzeugen des Friedens hier und überall auf der Welt.“

Pastorin Heide Michaela Panke, Krankenhaus- und Hospizseelsorge im Altkirchenkreis Münden