Das Modellprojekt „Antidiskriminierungsarbeit Modell Göttingen“, das von Mai 2023 bis Dezember 2025 über das Programm respekt*land der Antidiskriminierungsstelle des Bundes gefördert wurde, zieht eine positive Bilanz. Die nun vorliegende Ergebnissicherung zeigt: Zentrale Strukturen der Antidiskriminierungsarbeit in Stadt und Landkreis Göttingen konnten erfolgreich aufgebaut und langfristig gesichert werden.
Ein wesentlicher Erfolg ist die Gründung des „Netzwerks Antidiskriminierung“ am 1. Dezember 2023. Dem Netzwerk gehören inzwischen rund 80 Mitgliedsorganisationen aus Stadt und Landkreis Göttingen an. Vertreten sind unterschiedlichste Akteur:innen – von der Allgemeinen Lebens- und Sozialberatung der Caritas in Duderstadt über das Migrationszentrum für Stadt und Landkreis Göttingen bis hin zum Zentrum für Kinderechte und Kinderschutz (KUK) in Göttingen.
Auch die Zusammenarbeit im Netzwerk wird sehr positiv bewertet: 85 Prozent der Beteiligten sind mit den Netzwerktreffen sehr zufrieden oder zufrieden, rund 75 Prozent halten regelmäßige jährliche Treffen für wichtig. Netzwerkkoordinatorin Heike Sieber betont: „Das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“
Inhaltlich arbeitet das Netzwerk in sechs Arbeitsgruppen zu unterschiedlichen Schwerpunkten. So entwickelte die Arbeitsgruppe „Gesundheit“ eine Checkliste für Arztpraxen, mit der diese ihre Barrierefreiheit überprüfen können. Eine weitere Arbeitsgruppe baute ein Netz aus 32 Erst- und Verweisberatungsstellen in Stadt und Landkreis Göttingen auf. Dadurch wird ein niedrigschwelliger und wohnortnaher Zugang zu Unterstützungsangeboten für Betroffene ermöglicht.
Ein weiterer Meilenstein ist der Aufbau der zivilgesellschaftlichen Antidiskriminierungsberatung beim Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen e.V. (VNB), die im August 2024 ihre Arbeit aufgenommen hat. Ihre Kernaufgabe ist die Beratung und Stärkung von Menschen mit Diskriminierungserfahrungen in allen Lebensbereichen auf Grundlage des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG).
Die Nachfrage nach professioneller Unterstützung ist deutlich: Von August 2024 bis Dezember 2025 wurden einschließlich Kontaktaufnahmen insgesamt 88 Beratungsfälle und Meldungen registriert. Die steigende Zahl an Anfragen zeigt, dass die Beratungsstelle in der Region sichtbar geworden ist und ein erheblicher Bedarf an Antidiskriminierungsberatung besteht.
Die Auswertung der Fälle macht zudem deutlich, in welchen Bereichen Diskriminierung besonders häufig auftritt. Überdurchschnittlich oft ging es um Benachteiligungen aufgrund von ethnischer Herkunft bzw. Rassismus, Behinderung oder Geschlecht. Besonders auffällig ist, dass rund 40 Prozent der dokumentierten Diskriminierungsfälle im Lebensbereich Arbeit stattfanden.
Die gute Nachricht: Die im Modellprojekt aufgebauten Strukturen bleiben bestehen. Sowohl die Antidiskriminierungsberatung als auch das Antidiskriminierungsnetzwerk werden bis Mitte 2028 über das Förderprogramm „Zukunftsregionen Niedersachsen“ der Südniedersachsenstiftung weitergeführt. Das neue Folgeprojekt trägt den Titel „Vielfalt sichert Zukunft“ und richtet seinen Schwerpunkt verstärkt auf den Bereich „Diskriminierung im Arbeitsleben“. Damit greift es unmittelbar die Bedarfe auf, die sich aus der bisherigen Fallauswertung ergeben.
Der vollständige Evaluationsbericht ist online abrufbar. Eine gedruckte Kurzfassung liegt im Gleichstellungsbüro der Stadt Göttingen sowie in der Gleichstellungsstelle des Landkreises Göttingen aus.
Stadt Göttingen