Bei Minusgraden leiden sie ganz besonders unter der Kälte: Menschen auf der Straße. Timo Weishaupt, Professor für Soziologie an der Georg-August-Universität, forscht zu diesem Thema und kennt das Leid der Wohnungslosen seit Jahren. Um ihnen zu helfen hat er bereits zum fünften Mal eine private Spendenaktion initiiert.
Kurz vor Weihnachten hat er mit Handzetteln und auf einer Internet Plattform um Spenden für die Straßensozialarbeit Göttingen gebeten, die sich als Diakonieeinrichtung des Kirchenkreises Göttingen-Münden um Wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen kümmert. 800 Euro plus 200 Euro Sachspenden sind dabei zusammengekommen, darunter vier Taschenlampen mit einer Kurbel, Thermounterwäsche, Isomatten, Schlafsäcke, Fleecedecken, aber auch Labello und Damenbinden sowie selbstgebackene Kekse.
„In Göttingen gibt es einige Obdachlose, die dauerhaft draußen schlafen und in der Regel über wenig Geld verfügen. Diese freuen sich besonders über solche wichtigen Utensilien, die wir durch so schöne Aktionen ausgeben können“, erklärt Straso-Leiter Mike Wacker.
Timo Weishaupt freut sich, dass so viel Spenden aus seinem Umfeld in Göttingen-Weende zusammengekommen sind. „Vielen Dank an alle, die die Aktion unterstützt haben. Dieses Thema begleitet mich schon einige Jahre in meinem Berufsleben und je tiefer ich in diesen Bereich eintauche, desto mehr beschäftigt er mich auch persönlich. Ich mache Wissenschaft, um die Gesellschaft zu ändern und ich muss kritisch hinterfragen, warum gibt es Wohnungslose trotz Sozialstaat? Das wollte ich intensiver erforschen. Und die Ursachen sind vielfältig: Hohe Mieten, Flucht, häusliche Gewalt, …“ Rund ein Prozent der Einwohner:innen lebe ohne eigenen Mietvertrag in Göttingen, so Weishaupt. Das entspricht 1300 Menschen.
Ob Trennung, Krankheit oder Jobverlust – vieles kann dazu führen, dass Menschen ihre Wohnung verlieren. „Die Menschen, die man in der Innenstadt sieht, sind nur die Spitze des Eisbergs“, erklärt Wacker. Die meisten seien verdeckt wohnungslos, schlafen bei Bekannten, Freund:innen oder Verwandten. Die Hauptursache für die Situation vieler Klient:innen kann Wacker klar identifizieren: „Es gibt zu wenig bezahlbaren Wohnraum – und nur mit einer Wohnung und damit einem Anker und Ruhepol lassen sich andere Schwierigkeiten erst adäquat lösen“. Dabei hilft auch das Projekt Wohnraumakquise der Straßensozialarbeit, bei dem die Straso Vermietende und zukünftige Mietende zusammenführt und betreut. „Aber bis wir genug Wohnungen für unsere Interessent:innen haben, helfen uns Spenden, wie die von Timo Weishaupt sehr weiter“, freut sich Wacker. „Gerade jetzt im Winter sind die Thermounterwäsche, Isomatten und Schlafsäcke – zusammen mit unseren Sheltersuits – unerlässlich für unsere Klient:innen.“