Leises Einsingen, dann eine kräftige Armbewegung der Chorleiterin und schon setzt der Chor ein. In der St. Pankratius Kirche in Gelliehausen wippen etwa 30 Menschen im Takt, singen mehrstimmig und klatschen gelegentlich mit. Die Begeisterung ist spürbar. Stimmen mischen sich zu einem Klang, der den Raum füllt. Die Generalprobe für das große Abschlusskonzert ist ein Erlebnis.
Am 13. März um 19:30 Uhr präsentieren die Teilnehmenden des Projektchors „Sing mit“ ihr Gelerntes in der Kirche des rund 360 Einwohner:innen zählenden Dorfes Gelliehausen in der Gemeinde Gleichen im Landkreis Göttingen. Innerhalb von nur fünf Proben haben die Sänger:innen mehrere Gospels und moderne Kirchenlieder erarbeitet. Die musikalische Leitung liegt bei der Göttinger Chorleiterin Gosia Borée, begleitet am Keyboard von Lars Ulferts.
Die Idee zu dem offenen Chorprojekt entstand im Verein Gelich e.V., dem Kirchen - und Kulturverein des Dorfes. Drei Mitglieder des Vereins, Jannika Rau, Volker Herbst und Günter Hoffmeister, wollten ein Angebot schaffen, bei dem alle mitmachen können. Vorkenntnisse waren nicht nötig. Die Resonanz überraschte selbst die Initiator:innen. Rund 30 Menschen meldeten sich an. Darunter erfahrene Chorsänger:innen ebenso wie Menschen, die zuvor noch nie in einem Chor gesungen hatten.
Schon bei der ersten Probe gelang es, vierstimmig zu singen. Möglich wurde das auch durch digitale Hörproben, die den Teilnehmenden für ihre jeweilige Stimme zugeschickt wurden. Viele übten zu Hause weiter, auf der Terrasse oder im Wohnzimmer, mit dem Handy in der Hand. Auch die englischen Texte einiger Lieder stellten für manche zunächst eine Herausforderung dar. Unterstützung gab es jedoch für jede Stimme und jede Frage.
Chorleiterin Borée führte die Gruppe mit Erfahrung und Humor. Fehler gehörten zum Lernprozess. Die Atmosphäre blieb konzentriert und zugleich locker. Das Abschlusskonzert wird mit einer Andacht verbunden.
Der Projektchor ist nur eines von mehreren Vorhaben, die der 2023 gegründete Verein Gelich e.V. organisiert hat. Ziel ist es, die Kirche stärker als Ort der Begegnung zu nutzen und das kulturelle Leben im Dorf zu beleben. So entstanden in den vergangenen Monaten unter anderem ein Theaterprojekt, eine Malwerkstatt mit Ausstellung in der Kirche und eine Exkursion zu historischen Orten in Gelliehausen. Manche Veranstaltungen waren so gut besucht, dass sie wiederholt werden mussten. „In diesem Jahr haben wir noch weitere Veranstaltungen geplant“, sagt Günter Hoffmeister, Vorsitzender von Gelich e.V.
In einem kleinen Dorf wie Gelliehausen zeigt sich, wie wichtig solche Initiativen sind. Wenn Menschen gemeinsam singen, Theater spielen oder Geschichten aus dem Ort erzählen, entsteht etwas, das über einzelne Veranstaltungen hinausgeht. Begegnungen werden möglich, neue Kontakte entstehen. Projekte wie diese wirken im besten Sinne verbindend. In Zeiten wachsender gesellschaftlicher Spannungen kann gerade diese Form lokaler Kulturarbeit ein stiller, aber wirkungsvoller Beitrag zum Zusammenhalt sein.
Gelich e.V.