Pfingsten 1626 ist als „Blutpfingsten“ in die Geschichte der Stadt Hann. Münden eingegangen: Damals belagerte der katholische Feldherr Graf Johann T'Serclaes von Tilly die evangelische Stadt Münden mit acht Regimentern, beschoss sie tagelang und ließ seine Soldaten über die Mühlenstraße einfallen. Die Explosion des Pulverturms und das darauffolgende Massaker kosteten über 2000 Zivilisten das Leben.
Mit einer Veranstaltungsreihe vom 18. bis zum 25. Mai erinnern verschiedene Akteur*innen an dieses dunkle Kapitel der Stadtgeschichte vor 400 Jahren, darunter auch die Ökumene. Täglich ab 16.26 erklingen für vier Minuten die Kirchenglocken zum Friedensgeläut. Die Evangelisch-lutherische Stadtkirchengemeinde Münden, die Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Gimte-Hilwartshausen, die Evangelisch-reformierte Gemeinde, die Römisch-katholische Kirchengemeinde St. Elisabeth, die Freikirche der Siebenten-Tag-Adventisten, die Kraft-Werk-Kirche Volkmarshausen und die Stiftung St. Aegidien-Kirche laden gemeinsam zu einem Ökumenischen Friedensweg ein: Von Montag, 18. Mai, bis Freitag, 22. Mai, finden jeweils ab 18 Uhr Gedenkveranstaltungen an Orten statt, die mit den von Grauen erfüllten Pfingsttagen des Jahres 1626 in Verbindung stehen, bevor am Pfingstmontag die kirchliche Reihe mit einem Gottesdienst ihren Abschluss findet. „Erinnern, Versöhnen, Verändern: Treffen an verletzten Orten“ heißt es fünf Mal je ab 18 Uhr mit Informationen zu den historischen Orten und einer Andacht:
Montag, 18. Mai, in der Aegidienkirche (Aegidiiplatz 1) in Hann. Münden,
Dienstag, 19. Mai, im Innenhof des Welfenschlosses,
Mittwoch, 20. Mai, in der Peterskirche, Klostergut Hilwartshausen,
Donnerstag, 21. Mai, an der Treppe des historischen Rathauses Hann. Münden, und
Freitag, 22. Mai, am Weserstein (Tanzwerder).
Der ökumenische Pfingstgottesdienst mit Kindergottesdienst findet am Montag, 25. Mai, ab 11 Uhr auf dem Doktorwerder statt (Zugang über die historische Werrabrücke, Bänke vorhanden, Klappstühle gerne mitbringen), bei Regen wird er in die St. Blasius Kirche verlegt. Ein Mitbring-Brunch schließt sich an. Das Ensemble Klangweg musiziert. In diesem Gottesdienst wird außerdem das Mündener Friedensbild vorgestellt, das Pastor Ernst-Ulrich Göttges, Evangelisch-reformierte Gemeinde, mit dem Künstler Uwe Henze gestaltet. Am Friedensbild wird täglich von 12 bis 15 Uhr im Künstlerhaus, Speckstraße 7, gearbeitet.
Für Samstag, 23. Mai, wird herzlich zum Friedensgebet ab 12 Uhr in die St. Blasius Kirche in Hann. Münden, Ziegelstraße) eingeladen. Außerdem sind dort am Samstag, 23. Mai, Halt und Trost mit Texten von Paul Gerhardt, Orgel und Gesang zu hören, ab 18 Uhr.
Der Ökumenische Friedensweg sei nicht nur Gedenken und Betrachten oder stumme Betroffenheit, skizziert es Henning Dobers vom Vorbereitungsteam, sondern „eine geistliche Reaktion auf die damaligen Ereignisse, die über Jahrhunderte die Stadt geprägt haben – einerseits baulich im Stadtbild sichtbar bis heute und andererseits in Form von emotionalen Traumata unsichtbar weitergegeben. Eine geistliche Haltung traut Gott zu, die damaligen Ereignisse in ihrer Spätwirkung zu entgiften. Wenige Tage vor Pfingsten wollen wir bewusst dem Geist des Todes und der Gewalt etwas entgegensetzen, indem wir den Heiligen Geist bitten, unter uns zu wirken und eine Kultur des Lebens und des Miteinanders zu stärken“. Es gehe darum, auf die Ereignisse von damals geistlich in Form von Gebet in bewusst ökumenischer Verbundenheit zu reagieren, „indem wir erinnern an die Ereignisse und die historischen Fakten, uns identifizieren mit der Geschichte unserer Stadt und der Region, beten um Vergebung, Heilung und Erneuerung, beitragen zu Versöhnung und positive Veränderungen anstoßen, wo nötig“. Die Chroniken schrieben, die Flüsse seien rot gewesen vom Blut der Getöteten, so Pastor Andreas Risse, ebenfalls Mitglied der Vorbereitungsgruppe. „In diesem Jahr gehen wir daher einen Weg des Friedens, der uns an Orte führt, die mit dem Geschehen besonders verbunden sind.“
„Wir feiern nicht – wir gedenken. Denn diese grausamen Ereignisse dürfen nicht in Vergessenheit geraten“, betont auch das Stadtmarketing Hann. Münden, das die ökumenischen und alle weiteren Veranstaltungen zusammengefasst hat, auf seiner Webseite – zum Beispiel das Leseduo „Wilder Mohn" am 20. Mai, 19.30 Uhr, mit einer literarischen Betrachtung zur Menschenwürde in der St. Aegidien-Kirche, oder am selben Ort am 22. Mai ab 19.30 Uhr eine szenische Lesung der Stadtführergilde, 19.30 Uhr.