Menschen, die andere Menschen „in die Steinzeit“ bomben. Männer, die ihre Partnerinnen vergewaltigen lassen, analog oder digital. Leute, die im Beruf ihre Macht narzisstisch missbrauchen. Je höher der Posten, desto größer der Schaden. Unentwegt geschieht das, oft ungeniert offen. Manches dauert, bis es ans Tageslicht kommt. Da braucht es Mutige, die den eigenen Kopf riskieren. Die dabei vielleicht auch nicht immer alles richtig machen. Wut und Entsetzen lösen solche Enttarnungen aus, auch Unglauben. Große Erleichterung bei den Opfern.
Doch warum geschieht solches überhaupt? An welcher Stelle hat sich das Gewissen verabschiedet?
Und wie kann ich sicher sein, dass nicht auch ich selbst so werde? Bin nicht auch ich manchmal ungerecht, gar selbstgerecht? Gegenüber meinen Kindern oder dem Partner? Wenn da kein Korrektiv ist, keiner, dem ich Rechenschaft schulde? Es ist einfacher, an Macht zu kommen, als sie verantwortungsvoll anzuwenden. Dafür muss ich die gleichberechtigte Würde der Nächsten anerkennen. Eigene Fehler einsehen und bekennen. Mich begrenzen. Wer liebt das schon.
Mir gelingt das nicht immer. Aber ich habe mir angewöhnt, zu fragen: Was würde Jesus dazu sagen? Meist gehe ich direkt ins Gebet. Es mag erstaunlich klingen, aber bisher habe ich immer Antwort erhalten. Da wird es plötzlich hell und warm und es fühlt sich sogar angenehm an, in einer Weise zu handeln, die nicht nur gut für mich, sondern auch für andere ist. Kennen Sie das auch? Gehen Sie behütet in die Woche!
Julia Sohn, Pastorin in Ausbildung.