Andacht zu Ostern "Die Kunst, wieder aufzustehen"

Nachricht Hann. Münden, 05. April 2026
Marit Günther-Menzel, Superintendentin im Kirchenkreis Göttingen-Münden

Hinfallen - aufstehen - Krone richten - weitermachen.

Der Spruch klingt schön und überfordert gleichzeitig. 

Auch wenn er sich auf Postkarten in Glitzerschrift schön verschicken lässt, so kennt jeder ebenso die Erfahrung, dass man in solchen Momenten weder die Kraft zum aufstehen hat, noch überhaupt Lust hat eine Krone zu tragen.

Job weg, Beziehung in Scherben oder metaphorisch im Matsch gelandet - es gibt genug Gründe sich die Decke über den Kopf zu ziehen und liegen zu bleiben.

Hinfallen ist menschlich - ein Teil des Lebens. Der entscheidende Moment ist allerdings nicht der Sturz oder das Weitermachen. Sondern der Moment direkt danach: der Schmerz und der Versuch wieder aufstehen zu können. 

Genau das ist mein persönliches Aha-Erlebnis von Ostern.

Karfreitag steht für mich beispielhaft für den Versuch zu verstehen, dass der Schmerz immer ein Teil meines Lebens bleiben wird - auch wenn ich das allzu gerne verdrängen würde.

Und Ostern staune ich über die Kunst des wieder Aufstehens.

Das ist kein glattes „alles wieder gut“, kein Reset oder die Stunde null. Es ist ein ehrlicher und realistischer Neuanfang.

Denn jedes Hinfallen - jede Wunde gehört zu mir und ist Teil meines Aufstehens und Weitermachen. 

Ohne Karfreitag, kein Ostern - ohne Hinfallen, kein Leben. 

„Krone richten“ heißt österlich betrachtet: dass jeder Schmerz zum Leben dazu gehört und ein weiterer Edelstein der eigener Krone wird. Es ist das Vertrauen, dass es Gott ist, der mich aufrichtet und die Krone wieder aufsetzt. 

Ich darf fallen, aber ich bin nicht verloren.

In diesem Sinne wünsche ich hoffnungsstarke Ostern,

Ihre Marit Günther-Menzel

Marit Günther-Menzel, Superintendentin im Ev.-luth. Kirchenkreis Göttingen-Münden