Die DITIB-Gemeinde Göttingen wird aus Anlass des Fastenbrechens im Ramadan am Dienstagabend, 24. Februar 2026, um 19:30 Uhr erstmals den Muezzin-Ruf ertönen lassen. Das wurde zuvor im von der Stadtverwaltung organisierten Runden Tisch der Religionen mit Vertreter:innen verschiedener Glaubensrichtungen unter dem Aspekt der grundgesetzlich garantierten Religionsfreiheit besprochen.
Oberbürgermeisterin Petra Broistedt betont: „Die Religionsfreiheit ist ein hohes Gut unserer Verfassung. Sie gilt für alle Glaubensgemeinschaften gleichermaßen. Als Stadt bekennen wir uns klar zur Religionsfreiheit nach Artikel 4 des Grundgesetzes. Sie schützt nicht nur die innere Überzeugung, sondern auch die sicht- und hörbare Ausübung von Religion.“ Entscheidend sei, so Broistedt, dass alle Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften nach denselben rechtlichen Maßstäben behandelt würden, egal ob Glockengeläut oder Muezzin-Ruf. „Das ist kein politisches Symbol, sondern gelebter Rechtsstaat. Gerade in polarisierten Zeiten setzen wir bewusst auf Dialog, Respekt und den Schutz unserer gemeinsamen Freiheit“, so die Oberbürgermeisterin.
„Für viele Musliminnen und Muslime ist der Muezzin-Ruf eine liturgische Einladung zum Gebet. Nicht mehr und nicht weniger. Er ist keine politische Erklärung und keine Missionierung, sondern Teil religiöser Praxis, wie sie durch Artikel 4 des Grundgesetzes geschützt ist“, unterstreicht Ali Serkan Şahbaz von der DITIB-Gemeinde Göttingen. Der Gemeinde sei es wichtig, dass der Ruf transparent, rücksichtsvoll und klar geregelt erfolgt. Sahbaz: „Wir gehen auf die Nachbarschaft zu und stehen für Fragen und Gespräche bereit, weil Vertrauen nur im Dialog entsteht. Unser Anliegen ist Zugehörigkeit im gemeinsamen Alltag dieser Stadt; respektvoll, verantwortungsbewusst und im Rahmen der gleichen Regeln für alle.“
Jaqueline Jürgenliemk, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Göttingen, erklärt: „Religionsfreiheit ist ein Grundrecht, Teil unseres Grundgesetzes und damit Teil der Regeln unseres Zusammenlebens. Ihre Ausübung verdient Respekt. Wir Jüdinnen und Juden erleben in unserem Alltag häufig antisemitische Übergriffe, Ressentiments und Hass. Damit sind die Ausübung und das Sichtbarwerden unserer Religion eingeschränkt und unsere Sicherheit gefährdet. Dem können wir nur entgegentreten durch einen interreligiösen und öffentlich geführten Diskurs mit dem Versuch, Vorurteile abzubauen und über unterschiedliche Glaubensinhalte und Praktiken aufzuklären. Nur so schaffen wir Vertrauen und gehen verantwortlich mit unserem Grundrecht um. Wir unterstützen das Vorhaben, die Einführung des Muezzin-Ruf in verschiedenen Foren und öffentlich zu diskutieren und damit eine Basis der Akzeptanz zu schaffen. Göttingen zeigt sich als offene Stadt, wenn wir diesen Diskurs nicht scheuen, sondern konstruktiv führen.“
Superintendent Dr. Frank Uhlhorn vom Ev.-luth. Kirchenkreis Göttingen-Münden sagt: „Der öffentliche Raum ist ein gemeinsamer Raum. Dazu gehört in einer pluralen Stadt auch öffentlich ausgelebte religiöse Praxis, solange sie in einem geregelten Rahmen stattfindet. Entscheidend ist, dass wir die Maßstäbe an Regeln orientieren und nicht an Vorurteilen.“
„Vielfalt ist kein Störfaktor, sondern Alltag. Sie wird umso leichter, je mehr Menschen einander kennen. Darum setzen wir auf Gespräche statt auf Polarisierung. Wer Respekt einfordert, muss ihn auch gewähren“, macht Dechant Wigbert Schwarze von der Katholischen Kirche im Dekanat Göttingen im Vorfeld des Pressegesprächs am 23. Februar deutlich.
Stadt Göttingen