Ob Autounfall oder die Überbringung einer Todesnachricht mit der Polizei – die ökumenische Notfallseelsorge im Ev.-luth. Kirchenkreis Göttingen-Münden und im Katholischen Dekanat Göttingen ist im Jahr 2025 zu 61 Einsätzen ausgerückt. Das Einsatzgebiet reicht von Nörten-Hardenberg im Norden bis nach Hann. Münden im Süden.
„Hinter jeder Einsatzzahl steht ein menschliches Schicksal und das seiner Angehörigen, betont Pastorin Dörte Keske, Leiterin der Notfallseelsorge. „Die Notfallseelsorger:innen bleiben in diesen Momenten an der Seite der Betroffenen, hören zu und halten mit aus.“
Untersuchungen zeigen, dass über 100 Menschen von einem Einsatz betroffen sind: In aller erster Linie die engsten Angehörigen; darüber hinaus Verwandte, der Freundeskreis und die Kollegschaft. Nicht zu vergessen die am Einsatz beteiligen Einsatzkräfte, die mit unterschiedlich intensiven Eindrücken konfrontiert werden.
Die Notfallseelsorge ist ökumenisch organisiert. Ob katholisch oder evangelisch – Pastor:in oder Ehrenamtliche:r – sobald der Pieper „Alarm schlägt“, nimmt die diensthabende Person der Notfallseelorge Kontakt zur Kommunalen Regionalleitstelle auf, um nähere Informationen zu erhalten. Dann geht es los zum Einsatzort, um die Angehörigen zu unterstützen. „Unsere Arbeit beginnt dort, wo Menschen von einem Moment auf den anderen aus ihrem Alltag gerissen werden“, sagt Pastorin Keske. „Wir hatten zum Beispiel einen Fall, wo wir einer alleinerziehenden Mutter die Nachricht des Todes ihres Sohnes überbringen mussten, der bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war. Die Frau war gerade aus Süddeutschland hergezogen, kannte hier noch Niemanden und hatte noch kein soziales Netz von Familienangehörigen und Freund:innen hier vor Ort, in dem sie aufgefangen wurde. Da war sie unendlich dankbar, dass sie nicht allein war mit der furchtbaren Nachricht und das Gespräch mit dem Notfallseelsorger sie darin unterstützt hat, wie es für sie weitergeht.“
Rund drei Viertel der Einsätze ereigneten sich im häuslichen Umfeld. Gerade wenn ein Notfall die eigene Wohnung betrifft, bricht für viele eine Welt zusammen. „Oft wird - bildlich gesprochen - den Menschen der Boden unter den Füßen weggerissen“, erklärt Keske. Dann brauche es Menschen, die Zeit haben und Orientierung geben.
Auch Einsatzkräfte selbst nahmen Unterstützung in Anspruch. Einige aus dem Team der Notfallseelsorge stehen auch für Nachsorgegespräche mit Mitarbeitenden von Rettungsdienst, Polizei und Feuerwehr zur Verfügung. „Wer anderen hilft, braucht manchmal selbst Hilfe“, ergänzt Torsten Thiel von der Katholischen Polizei- und Zollseelsorge im Land Niedersachsen.
Als hauptberuflicher Seelsorger für die Polizei und den Zoll ist er spezialisiert für den Umgang mit Einsatzkräften in der Psychosozialen Notfallversorgung und begleitet bei Bedarf und Anfrage auch die Freiwilligen Feuerwehren im Umkreis von Göttingen.
Die Rückmeldungen der begleiteten Menschen seien fast ausschließlich positiv, so Pastorin Keske. „Die Dankbarkeit motiviere das Team. Und wir freuen uns über alle, die sich vorstellen können, Menschen in schweren Stunden beizustehen und sich als Notfallseelsorger:in ausbilden zu lassen. Weitere Informationen über die Arbeit der ökumenischen Notfallseelsorge in der Region finden Sie hier.