Die Kirchengemeinden Gimte-Hilwartshausen, zu der auch Volkmarshausen gehört, und Hemeln-Bursfelde bekommen am Sonntag, 8. Februar, einen neuen Pastor: Viktor Schneider wird dann um 14 Uhr in der Marienkirche in Hemeln von Regionalbischof i.R. Hans Christian Brandy in sein Amt eingeführt. Nach dem Festgottesdienst besteht die Möglichkeit, einander bei Getränke- und Kuchenbuffet kennenzulernen.
Viktor Schneiders Weg zum evangelisch-lutherischen Pastor war alles andere als vorgezeichnet. Seiner Berufung zum pastoralen Dienst indes war er sich immer gewiss. Er wurde 1974 als Sohn eines evangelisch-lutherischen Vaters und einer katholischen Mutter in Karasuk, Novosibirsk, geboren, dort dann aber orthodox getauft, weil es in seiner Geburtsstadt nur eine orthodoxe Kirche gab. 20 Jahre später kam er mit seiner Familie nach Deutschland. Sein Theologiestudium absolvierte er zum Teil in Jerusalem als Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes. Dort nahm er auch an Vorlesungen von evangelischen Professoren teil, sagt er, die ihn sehr beeindruckt hätten. So sei er gut mit der evangelischen Theologie vertraut, „was mir immer auch in meiner Spiritualität und persönlichen Gottesbeziehung sehr geholfen hat“.
2002 schloss er sein Theologiestudium in Erfurt ab und wurde Pfarrer der russisch-orthodoxen Gemeinde in Göttingen, die er mit aufbaute und zwei Jahrzehnte lang leitete. Noch vor seiner Priesterweihe legte Viktor Schneider die Mönchgelübde ab, sei als Mönch aber sehr unglücklich gewesen, berichtet er. Er habe gefühlt, was in der Bibel steht, wo es heißt, es sei nicht gut, dass der Mensch allein auf Erden sei, und „ich habe gebetet, dass der Herr mir eine liebe Frau und Familie schenkt.“ 2024 heiratete Viktor Schneider und durfte gemäß des orthodoxen Kirchenrechts dadurch nicht mehr länger Pfarrer der orthodoxen Gemeinde sein. Pfarrer habe er aber schon als Kind werden wollen und konnte sich „nicht mit dem Gedanken abfinden, meine Berufung zum pastoralen Dienst aufgeben zu müssen, nur weil ich aufgehört hatte, Mönch zu sein“. Mit dem Wechsel in die evangelische Kirche habe er nun die Möglichkeit, als verheirateter Pastor „auch weiterhin im Dienst der Verkündigung des Evangeliums tätig sein zu dürfen.“ Im August 2024 kam Viktor Schneider zur Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers und wurde Pastor in der St. Petri Gemeinde in Göttingen, wo er evangelische Gottesdienstformen und das Gemeindeleben kennenlernte.
Dass er nun von der Stadt in den ländlichen Bereich wechselt, kommt ihm ganz entgegen. Er habe früher immer in großen Städten gewohnt, sagt er, habe inzwischen aber das Land liebgewonnen. Heute lebt er mit seiner Ehefrau und zwei Kindern in Neu-Eichenberg.
„Ich hoffe, dass ich das Interesse der Menschen für den Glauben wecken kann“, sagt Viktor Schneider. Er möchte Gottesdienste so gestalten, dass die Menschen gern kommen. In seiner orthodoxen Gemeinde in Göttingen hat das geklappt: Anfangs seien zwölf bis 20 Besucher*innen in den Gottesdiensten gewesen, später dann 50 bis 70. Ein Gottesdienst brauche eine sakrale Ausstrahlung, beschreibt es Viktor Schneider, was nicht heißt, dass er nicht modern sein darf. Er singe gern, und man könne so manches auch singen, anstatt lange zu reden, sagt er lächelnd. Mit den Gemeinden möchte er ausprobieren, was bei den Menschen am besten ankommt. Einander Kennenlernen steht für ihn mit seinem Dienstantritt als nächstes auf der Liste. Dazu möchte er zum Beispiel auch die Vereine besuchen. Er habe schon gehört, dass es davon in den Ortschaften so einige gebe.