Beim traditionellen Neujahrsempfang des Dekanatspastoralrates des Dekanates Göttingen waren erneut zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Religionsgemeinschaften in Göttingen sowie der Politik vertreten. Dechant Wigbert Schwarze begrüßte die zahlreichen Gäste in der Kirche St. Heinrich und Kunigunde in Grone. Mit Blick auf die winterlichen Verhältnisse freute er sich besonders, dass viele Menschen den Weg zum Neujahrsempfang auf sich genommen haben.
Zu Beginn des Gottesdienstes, den Dechant Wigbert Schwarze gemeinsam mit dem Superintendenten des Kirchenkreises Göttingen-Münden, Dr. Frank Uhlhorn, gestaltete, gab es zunächst eine Gedenkminute für Elisabeth Gießler. Die langjährige Schulleiterin der Bonifatiusschule 1 ist Ende Dezember verstorben. Schwarze würdigte Gießler als einen Menschen, der 27 Jahre im Geist der Kirche unterwegs war.
In seiner Predigt gab er den Besucherinnen und Besuchern des Neujahrsempfanges kurze Impulse mit auf den Weg. Die wichtigste dabei war, dass die Menschen die Verpflichtung haben, selbstbewusst zu sein, aber dennoch auch offen für andere zu sein. Wie so oft zitierte Schwarze hierbei den Satz „Sei ein Mensch“, den Marcel Reif bei einer Rede im Deutschen Bundestag verwendet hat. „Die Menschen, die am Neujahrsempfang teilnehmen, sind Teil der Gesellschaft Göttingens. Und wir sollten an einem Strang ziehen, damit Göttingen eine offene Stadt sein kann“, sagte Dechant Wigbert Schwarze.
Göttingens Oberbürgermeisterin Petra Broistedt, die letztmalig in dieser Funktion beim Neujahrsempfang dabei war, sagte, dass die Kirche in den vergangenen Jahren ein verlässlicher Partner in vielen Bereichen gewesen sei. „Ein Dank gilt hierbei allen, die sich einbringen“, sagte Broistedt. Die Oberbürgermeisterin erinnerte zudem daran, dass Religionsfreiheit leider nicht immer selbstverständlich sei. Dabei ging sie unter anderem auf die derzeitige Lebenssituation vieler Jüdinnen und Juden ein. „Wir alle tragen gemeinsam dafür Verantwortung, dass Göttingen eine tolerante, bunte und offene Stadt ist“, so Broistedt.
Jacqueline Jürgenliemk, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Göttingen, sagte in ihrem Grußwort, dass der Antisemitismus weltweit zugenommen habe und noch weiter wachse. So habe es unter anderem Angriffe bei Veranstaltungen zum Gedenken an den 7. Oktober gegeben. „Unsere Gemeinde ist eine starke Gemeinschaft“, berichtete Jürgenliemk. Sie dankte zudem den Verantwortlichen in Göttingen sowie der anderen Religionsgemeinschaft für die Unterstützung, die die Gemeinde erhalte.
Der Sprecher des Vorstandes der Göttinger DITIB-Moschee, Ali Serkan Şahbaz, erklärte, dass er das Gefühl habe, dass die Welt sich immer schneller drehe und viele der derzeitigen Nachrichten, die Menschen verrückt machen würden. „Ich denke, wir sollten den Menschen wieder mehr in die Augen schauen und mehr miteinander sprechen, als den Blick nur auf das Smartphone zu richten“, sagte er. In Göttingen sei man hierbei auf einem guten Weg, da es einen guten Austausch untereinander gebe. Diesen Austausch betonte auch Superintendent Dr. Frank Uhlhorn in seinem Grußwort.
Der zweite Vorsitzende des Dekanatspastoralrates, Dr. Thomas Matusche, stellte in seiner Ansprache die Ehrenamtlichen in den Mittelpunkt. „Vieles gelingt, weil Menschen im Verborgenen arbeiten“, sagte Matusche. Die Gemeinschaft lebe davon, dass Menschen füreinander da sind. „Ehrenamtliche sind dabei ein unverzichtbarer Teil“, so Matusche. Die Ausübung eines Ehrenamtes sei für die Engagierten ein Stück weit auch Berufung. „Oftmals sind es auch die Ehrenamtlichen, die etwas sichtbar machen. Deshalb möchten wir heute die würdigen, die auch im Hintergrund vielfältige Aufgaben übernehmen“, erklärte der zweite Vorsitzende des Dekanatspastoralrates. Stellvertretend für alle Ehrenamtlichen segnete Dechant Wigbert Schwarze, den neuen Stadtbeauftragten der Malteser in Göttingen, Rainer Nolte. Nolte berichtete, dass er nach seiner Verabschiedung aus dem Polizeidienst auf der Suche nach einer sinnstiftenden ehrenamtlichen Tätigkeit gewesen sei, und diese bei den Maltesern gefunden habe.
Im Anschluss an den offiziellen Teil in der Kirche nutzten die Anwesenden die Gelegenheit zur Begegnung und zum Austausch. Ein Dank gilt allen, die zum Gelingen des Neujahrsempfanges auf vielfältige Weise beigetragen haben, besonders den Helfenden aus St. Heinrich und Kunigunde und den Musikerinnen und Musikern, die den Gottesdienst begleitet haben.
Vera Wölk, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit