Die Straßensozialarbeit (Straso), eine Einrichtung des Diakonieverbands im Ev.-luth. Kirchenkreis Göttingen-Münden, überrascht seit fünf Jahren seine Klient:innen zu Ostern mit einer Überraschungstüte. Auch in diesem Jahr werden an Gründonnerstag (02.04.2026) wieder 40 Stück verteilt. Möglich macht dies erneut die Johanniter-Hilfsgemeinschaft Göttingen (JHG).
Seit mehr als 20 Jahren gibt es bei der Straso eine Weihnachtstütenaktion, die von den Gästen sehr gut angenommen und unter anderem von der JHG unterstützt wird. Davon inspiriert hat der zweite Vorsitzende der JHG, Gerhard von Hugo, die Idee gehabt, auch an Ostern den Wohnungslosen eine Überraschungstüte zu packen. Beim Organisieren, Einkaufen und Packen der Tüten hilft die ganze Familie mit. Die Eier färbt Gerhard von Hugo zusammen mit seiner Frau und mit seiner Tochter Amelie hat er gemeinsam eingekauft. Seit sie 15 Jahre alt ist, hilft sie bei der Aktion mit. Inzwischen studiert die 21-Jährige Medizin in Bochum. Was in den Tüten in diesem Jahr drin ist, dazu von Hugo: „In den Tüten findet sich Studentenfutter, natürlich ein Osterhase, Schokolade, ein gekochtes Ei, ein paar Kekse, eine Suppe zum Warmmachen, Obst, Schokoriegel und vieles mehr. Es wechselt auch immer von Jahr zu Jahr. Manchmal fällt uns auch spontan noch etwas ein, was wir dort hineinlegen können.“
Für Mike Wacker, den Leiter der Straßensozialarbeit ist das Engagement der JHG sehr wichtig: „Es ist einfach schön, dass wir die Möglichkeit haben, über die Johanniter-Hilfsgemeinschaft die Ostertüten ausgeben zu können, denn viele Menschen, die auf der Straße sind, sind familiär nicht mehr eingebunden, haben keinen Bezug mehr zur Familie oder auch kaum verlässliche Kontakte. Die Menschen, die wir hier in unserer Obhut haben, bekommen damit ein Geschenk, eine Aufmerksamkeit und dadurch eine Wertschätzung, die jedem Menschen zuteilwerden sollte und darüber freuen wir uns sehr.“
„Es ist Hoffnung, die geschenkt wird“, sagt Philipp. Er ist wohnungslos und vor vier Jahren aus Northeim nach Göttingen gekommen. Im Göttinger ExtraTiP hatte er einen Artikel über die Straßensozialarbeit gelesen und sich an die Diakonieeinrichtung gewandt. Seitdem ist sie für ihn seine Familie geworden. „Wenn ich strande, dann weiß ich, hier ist mein Ufer“, so Philipp. Er nutzt bei der Straso die Möglichkeit zu duschen, isst dort, erhält kostenlos Kleider aus der Kleiderkammer, hat den Arzt in Anspruch genommen und die Beratung der Sozialarbeitenden. Auch eine Postadresse habe er hier, da er sonst kein Bürgergeld beantragen kann. Er finde es toll, was die verschiedenen Einrichtungen der evangelischen Kirche für Menschen wie ihn tun. Er selbst hat sich als Erwachsener in der Göttinger Christophoruskirche von Pastorin Charlotte Scheller taufen lassen. Kontakt zu seiner Familie hat er nicht mehr. Darum bedeuten ihm der Kontakt zur Straso, aber auch Aktionen, wie die Ostertütenverteilung viel: „Das erinnert mich an früher, als ich ein Kind war. Also das ist so ein bisschen familiär. Also nicht ein bisschen, sondern das ist so eine Herzenssache, man kriegt ein Geschenk wie damals und ist bei denen, die man am meisten liebt.“ Auf die Schokolade freue er sich am meisten, so Philipp schmunzelnd.
Die Ostertütenaktion gab es 2026 zum 5. Mal und soll auch im nächsten Jahr fortgesetzt werden.