Ich bin in meinem Urlaub mit der Deutschen Bahn unterwegs gewesen. Auf der Hinfahrt 120 Minuten Verspätung, auf der Rückfahrt über eine Stunde. Dazu volle Züge, verpasste Anschlüsse, kurzfristige Gleiswechsel und geänderte Wagenreihung. Menschen laufen hektisch über den Bahnsteig, suchen ihren Wagen, schauen ratlos auf die Anzeige. Für ältere Reisende ist das eine echte Herausforderung.
Natürlich ärgere auch ich mich, wenn Pläne durcheinandergeraten. Doch bei meinen Fahrten ist mir noch etwas anderes aufgefallen: Was Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter alles aushalten müssen. Sie erklären Verspätungen, suchen Verbindungen, entschuldigen sich für die Unannehmlichkeiten und bekommen dabei nicht selten den ganzen Frust der Reisenden ab. Für etwas, das sie selbst gar nicht verursacht haben.
„Jeder Mensch soll schnell bereit sein zuzuhören. Aber er soll sich Zeit lassen, bevor er selbst etwas sagt oder gar in Zorn gerät.“ (Jakobus 1,19)
Vielleicht ein gutes Wort für unterwegs? Und nicht nur dort. Ärger darf sein, aber bei wem laden wir ihn ab?
Vielleicht braucht es manchmal mehr als einen funktionierenden Fahrplan. Ein wenig Geduld, ein freundliches Wort oder Lächeln können schon helfen, den Menschen nicht aus dem Blick zu verlieren, der mir gerade gegenübersteht.
Und wenn dann „Thank you for travelling with Deutsche Bahn“ erklingt, muss ich an das gleichnamige Lied der Wise Guys denken. So wird eine Zugfahrt auch zu einer kleinen Übung in Geduld – miteinander und mit dem, was sich gerade nicht ändern lässt. Jakobus hätte vermutlich nichts dagegen.
In diesem Sinne: Gute Reise
Pastor i.A. Michael Grabbe, Ev.-luth. Stadtkirchengemeinde Münden