Andacht "Ich bin dann mal da"

Nachricht Uschlag, 27. Juni 2026
Dr. Franziska Ede, Pastorin für die Dreieinigkeits-Kirchengemeinde Escherode-Dahlheim-Nienhagen-Nieste sowie die Gemeinde Uschlag

Katzen schlafen angeblich bis zu 22 Stunden am Tag. Wussten Sie das? Meine Katzen wissen das nicht. Sie halten mich tagsüber ganz schön auf Trab. Während ich am Laptop sitze und diese Andacht schreibe, drängeln sie sich auf meine Tastatur. Und auch sonst verstehen sie es, für ihre Belange einzustehen: Hier bin ich. Ich brauche Futter. Eine Angel zum Spielen wäre auch nicht verkehrt. Und was ist mit Kuscheln? Vergiss das Kuscheln nicht! Selbst nachts kennen sie keine falsche Scham. Wer braucht schon Schlaf, wenn man spielen oder jagen kann?

Insgeheim bewundere ich ihren Mut, sie selbst zu sein. Sich und ihre Bedürfnisse wichtig zu nehmen. Sich anderen einfach zuzumuten. Mit allem, was sie mitbringen. Auch das, was zu viel ist. Oder zu wenig.

Ich selber tue mich schwer damit. In meinem Kopf laufen oft mehrere Gedankenschleifen gleichzeitig. Darf ich das wirklich fragen? Kriege ich das nicht auch alleine hin? Stell dich nicht so an! Sei nicht so empfindlich! Muss das wirklich sein? Bevor ich andere störe, sie unterbreche oder um Hilfe bitte, bin ich gedanklich bereits hundert Szenarien durchgegangen, die mir nahelegen: Lass es lieber sein. Sei nicht zu viel. Reiß dich zusammen.

Meine Katzen kennen solche Fragen nicht. Sie denken nicht darüber nach. Sie sind dann mal da. Weil es jetzt wichtig ist.

Einer trage des anderen Last. Dazu ermutigt uns der Wochenspruch für den morgigen Sonntag. Vielleicht beginnt es damit, dass wir aufhören uns zusammenzureißen. Die Gedankenspiralen unterbrechen und uns öffnen. Füreinander. Mit allem, was wir mitbringen. Auch mit dem, was zu viel ist. Oder zu wenig.

Dr. Franziska Ede, Pastorin für die Dreieinigkeits-Kirchengemeinde Escherode-Dahlheim-Nienhagen-Nieste sowie die Gemeinde Uschlag