In der Göttinger St. Johanniskirche ist am Dienstag der Jugendpreis der Johanniter-Hilfsgemeinschaft Göttingen vergeben worden. Erstmals seit 2005 haben drei Projekte den ersten Platz belegt.
Pastor der Weststadtgemeinde und Vorsitzender Jury, Ralf Reuter, erklärte, dass für die Jury alle Projekte gleichwertig gewesen seien. Alle erhalten somit ein Preisgeld von 500 Euro. Darunter das Projekt „Seniorenbetreuung“ von Michelle Bachmann, das die Zwölftklässlerin eigenständig leitet. In der Corona-Pandemie 2021 begann die Stipendiatin des Internats Solling in Holzminden, einmal wöchentlich die Senior:innen im benachbarten Heim zu besuchen. Daraus entstand ein regelmäßiges Projekt. Sie und weitere Schülerinnen bieten den Senior:innen ein umfangreiches Programm an, von gemeinsamen Spaziergängen über Gesangsstunden, von früher erzählen bis zu Bastelaktionen und Eis herstellen.
Das „Handwerkercamp für Kinder“ des Kinderkirchenladens Nordhausen konnte sich ebenfalls über den ersten Platz freuen. Das christliche Ferienlager findet jedes Jahr für eine Woche in den Sommermonaten statt. Vorbereitet wird dies von einer Jugendgruppe, die sich das ganze Jahr über regelmäßig trifft. Das Angebot reicht von Holzarbeiten, über Kochen, Basteln und Sport bis einem biblischen Theaterstück.
Das dritte Projekt, das dieses Jahr den Jugendpreis erhielt, sind die „Holydays – Ferien für Kinder“ der kirchlichen Jugend Hofgeismar. Vor sechs Jahren entstand die Idee, in den Ferien Tage für Kinder anzubieten. Die Jugendgruppe der Kirchengemeinde bereitet dies im Laufe des Jahres vor und führt zwei Wochen im Sommer an zwei unterschiedlichen Standorten mit vielen kreativen Angeboten kostengünstig durch. Die Familien müssen nur zehn Euro pro Woche zahlen, der Rest wird durch Spenden aufgebracht.
Einen Anerkennungspreis von je 150 Euro haben die zwei anderen nominierten Schulklassen erhalten. Das Projekt „Nähen von Kleidern“ wurde in Heiligenstadt in der 10. Klasse der Tilman-Riemenschneider-Schule durchgeführt. Schülerinnen aus verschiedenen Ländern wollten gerne Kleidung aus ihrer Heimat nähen. Da sie darin noch keine Erfahrung hatten, haben sie drei ältere Damen aus dem Ort gefunden, die nähen konnten und ihnen das Handwerk beigebracht haben. Die Stoffe und Schnittmuster aus dem Iran wurden dann zusammen zu verschiedenen Kleidern verarbeitet mit einer anschließenden Modenschau. Beide Seiten, so betonten sie, hätten viel von der jeweils anderen Kultur gelernt.
Auch die Schüler:innen der Klasse 5h1 der Carl-Friedrich-Gauß-Schule in Groß Schneen konnte sich über die 150 Euro freuen. Sie hatten ihr Projekt „Katzenschutz“ eingereicht. Durch den Besuch des Göttinger Katzenschutz e. V. in ihrer Schule wurden die Kinder motiviert, sich umfassend mit dem Thema Tierwohl und Katzenschutz zu beschäftigen und selbst aktiv zu werden. Sie organisierten eigenständig einen Waffelverkauf, der über 600 Euro für den Verein einbrachte.
Neben der Preisverleihung feierte die 1951 gegründete Johanniter-Hilfsgemeinschaft Göttingen auch ihr 75-jähriges Bestehen und ist damit eine der ältesten JHG´en Deutschlands. Zu diesem Anlass waren auch der Schirmherr des Preises, Oskar Prinz von Preußen, und Martin Kind, der als langjähriger Vorstandsvorsitzender von Hannover 96, jedes Jahr Fußballtickets an die Gewinner:innen spendet.
Im Rahmen der 20. Verleihung des Preises sorgten die Youn Sprouts für die musikalische Untermalung und Niddal Salah-Eldin, Mitglied des Vorstandes von UNICEF Deutschland, hielt einen Vortrag zum Thema „Verantwortung und Zuversicht: Warum das Ehrenamt die beste Schule fürs Leben ist“.
Fabio Peter aus Northeim, Preisträger 2025, berichtet über den Fortgang seines Projekts „Schüler sehen Schindlers Liste“. Derzeit sei geplant eine VR-Brille für KZ-Gedenkstätten anzuschaffen, um das Erlebnis dort noch plastischer und eindringlicher werden zu lassen.
Die Preisverleihung soll auch im nächsten Jahr wieder stattfinden. Ins Leben gerufen wurde sie 2005, um einerseits das bestehende soziale Engagement zu fördern, zu würdigen und in die Öffentlichkeit zu tragen, damit der Einsatz Jugendlicher für ihre Mitmenschen den Bürger:innen präsent ist. Andererseits sollen weitere Kinder und Jugendliche motiviert werden, über die sozialen Probleme in der Gesellschaft nachzudenken, Lücken im sozialen Netz zu erkennen und Probleme anzupacken. Damit werden wichtige Persönlichkeitsmerkmale wie Hilfsbereitschaft, Solidarität, Verantwortung aber auch Selbstvertrauen und Gemeinschaftssinn gefördert.