Seit wann ist Ihr Weihnachtsschmuck „entsorgt“?
Ich kenne ein Haus in Münden, in dem an diesem Wochenende der Weihnachtsbaum noch steht – in vollem Glanz. Bei mir selbst hängt noch ein Stern – mit Zeitschaltuhr. Ich mag es, morgens ins noch dunkle Zimmer zu kommen und da glänzt der Stern. Ich brauche noch etwas Licht in der dunklen Jahreszeit. Es hat auch einen tieferen Sinn: Erst mit diesem Wochenende endet die Weihnachtszeit. Ich möchte die Wahrheit von Weihnachten weiter hüten.
Letztens las ich irgendwo: „Es ist wichtig, den Schein zu wahren“.
Wenn man querdenkt kann man dabei an einen Geldschein denken – und: Ja, es ist in jedem Fall gut, nicht einfach alles auszugeben.
Aber im Ernst: Wenn wir „den Schein wahren“, meinen wir meistens: Einen äußeren Anschein aufrecht erhalten. Das ist oft gesund. Es gibt Sicherheit, es schützt mich vor Urteilen anderer. Es hilft, den vertrauten Rahmen aufrechtzuerhalten. Manchmal ist es falsch, und traurig, den äußeren Schein zu wahren. Es entfernt uns voneinander.
Ich verstehe den Satz anders. Es geht nicht um Äußeres. Sondern um das Innere. Paulus schreibt „Denn Gott, der das Licht aus der Finsternis hervorleuchten ließ, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung von der Erkenntnis der Klarheit Gottes in dem Gesicht des Menschen Jesus Christus.“ (2. Korintherbrief Kapitel 4, Vers 6) . Alles klar? Mir nicht. Aber soviel: Da ist ein heller Schein in mich gelegt. Das ist kostbar. Es ist wichtig, ihn zu wahren, zu erinnern, zu verinnerlichen. Gerade in der dieser Zeit. Ich werde den Stern noch eine Zeit hängen lassen.
Andreas Risse, Pastor der Stadtkirchengemeinde Münden