Erinnern - Versöhnen - Verändern auf dem ökumenischen Weg

Nachricht Hann. Münden, 22. Mai 2026
Ökumenischer Friedensweg zu 400 Jahre Mündener Pfingsten. Station: Rathaustreppe. Von links (hintere Reihe): Pastor Henning Dobers (Stiftung St. Aegidien-Kirche), Pastor Raimund Baum (Siebenten-Tags-Adventisten), Pastor Andreas Risse (Evangelisch-lutherische Stadtkirchengemeinde Münden), Stadtarchivar Stefan Schäfer, (vordere Reihe) Pastor Andreas Salzmann (Kraft-Werk-Kirche Volkmarshausen), Pastor Ernst-Ulrich Göttges (Evangelisch-reformierte Gemeinde Hann. Münden), Pfarrer Jacek Kubacki (Römisch-katholische Kirchengemeinde St. Elisabeth), Bürgermeister Tobias Dannenberg.

Innehalten an verletzten Orten

„Wir gehen einen Weg gemeinsam und halten an Orten an, die verletzt worden sind“, sagte Pastor Andreas Risse, Evangelisch-lutherische Stadtkirchengemeinde Münden, am Donnerstag auf der Rathaustreppe in Hann. Münden. Dort war die vierte von fünf Stationen des ökumenischen Weges zu 400 Jahre Pfingsten, und wieder waren gut 30 Menschen gekommen, um zu erinnern, zu versöhnen und zu verändern. 

Pfingsten 1626 ist als „Blutpfingsten“ in die Geschichte der Stadt Hann. Münden eingegangen: Damals belagerte der katholische Feldherr Graf Johann T'Serclaes von Tilly die evangelische Stadt Münden, beschoss sie tagelang und ließ seine Soldaten schließlich in die Stadt einfallen, wo diese ein Massaker anrichteten. Dem setzen nun die Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Gimte-Hilwartshausen, die Evangelisch-lutherische Stadtkirchengemeinde Münden, die Evangelisch-reformierte Gemeinde, die Römisch-katholische Kirchengemeinde St. Elisabeth, die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, die Kraft-Werk-Kirche Volkmarshausen und die Stiftung St. Aegidien-Kirche ihren Weg des Friedens und der Heilung entgegen.

Stadtarchivar Stefan Schäfer skizzierte die politische und gesellschaftliche Situation der Stadt. Das prachtvolle Renaissance-Rathaustor spiegelte das bildhaft wider. Dort sind Friede, Eintracht und auch der Glaube dargestellt, und die Renaissance stand für den Aufbruch aus dem „finsteren“ Mittelalter. Doch trotz neuer Erkenntnisse und neuer Errungenschaften bargen die herrschenden Strukturen eine Menge Konfliktpotenzial, machte Schäfer deutlich.

Pastor Risse ergänzte das durch Gedanken über Bild des Malers Alfred Hesse, der Übergabe der Stadt an Tilly vor 100 Jahren künstlerisch umgesetzt hat. Eine solche Machtübergabe werde oft als Schlüsselübergabe dargestellt, so Risse. Wer die Schlüssel hat, hat Zugang und kann gestalten. Die Schlüsselfrage sei damals wie heute: Wem geben wir die Macht?

Ein neues Bild zum Thema gestaltet der Künstler Uwe Henze: von dem Grauen vor 400 Jahren ausgehend spannt dieses jedoch den Bogen zum ökumenischen Friedensweg von heute. Uwe Henze wird das Bild im Gottesdienst in Hann. Münden am Pfingstmontag, 25. Mai, 11 Uhr, Tanzwerder, an die Ökumene überreichen.

https://hann.muenden-erlebnisregion.de/event/400-blutpfingsten-1626