Die Arbeitsgemeinschaft zur Erhaltung der St. Johannis Kapelle in Lütgenrode hatte zum Finale ihrer dritten Kulturreihe Akkordeonkünstler Alexandre Bytchkov eingeladen. Das Publikum erlebte einen Musiker mit atemberaubenden Fähigkeiten. Elisabeth Gärtner, stellv. Vorsitzende freute sich, dass sie eine stattliche Anzahl von Gästen begrüßen konnte.
Einen Glücksgriff hatte die Arbeitsgemeinschaft mit dem in St. Petersburg geborenen und seit 1996 in Mainz lebenden Akkordeonkünstler Alexandre Bytchkov getan. Zum Auftakt spielte er „Toccata & Fuge in d-Moll“ von Johann Sebastian Bach. Hätten die Konzertbesucher die Augen geschlossen, hätten sie denken können, dass nicht das Akkordeon, sondern eine Orgel spielt. Es ist sicherlich das bekannteste Orgelwerk der gesamten europäischen Musikgeschichte. Gärtner: „Bytchkov servierte aber eine Interpretation der Extraklasse mit dem Akkordeon“.
In der ersten Hälfte seines virtuosen Auftritts brachte er überwiegend Klassiker zu Gehör. Er durchschritt hierbei musikalisch die ganze Welt. Bei der Sonate in C-Dur von Domenico Scarlatti, eigentlich einer Klavierkomposition, flogen seine Finger gerade so über die Tastatur seines Konzert-Akkordeons. Danach ging es nach Österreich. Franz Schuberts Serenade Schwanengesang klang wie eine Romanze.
Direkt nach Yuri Peschkov „Da eilt die Postkutsche“ wechselte er nach Argentinien und spielte zwei Stücke von Astor Piazzolla. Bytchkov wird in Deutschland auch als Botschafter seines Instruments bezeichnet. Derer zwei hatte er nach Lütgenrode mitgebracht.
Bytchkov begeisterte mit dem prägnant gespielten „C`est si bon“ von Henry Betti. Auch bei weiteren bekannten Melodien zeigte der Akkordeonist, dass es nicht immer Bach oder Schubert sein muss. So stimmten bei Reinhard Meys „Über den Wolken“ viele Besuchende in den Refrain ein.
Als liege Lütgenrode an der Seine, erklang das „Tango pour Claude“. Doch als er Hildegard Knefs „Für mich solls rote Rosen regnen“ spielte, da regte er zum Mitsummen und Mitsingen an.
Bei den Stücken von Antonio Vivaldi und Paul Norrback zeigte er nochmals, dass das Akkordeon nicht nur für die Volksmusik geeignet ist. Am Ende standen die Zuschauer:innen mehrfach auf und spendeten großen Applaus.
Die AG zeigt sich erfreut und schaut nun mit Spannung auf den Beginn der geplanten Sicherung der Kapelle, die nach neuesten Angaben im Mai beginnen soll.
Tobias Kreitz