Seit vielen Jahren ruft die Evangelische Kirche in Deutschland am Sonntag Reminiszere („Gedenke“), der morgen gefeiert wird, Kirchen und Gemeinden auf, in Gottesdiensten und Gebeten in besonderer Weise auf die Leidenserfahrungen von Christen in anderen Ländern aufmerksam zu machen. In diesem Jahr stehen die Menschen in Syrien im Mittelpunkt. Nach 13 Jahren des Bürgerkriegs und ein Jahr nach dem Sturz des Diktators und der Übernahme der Übergangsregierung ist die Unsicherheit nach wie vor sehr groß. Viele Christinnen und Christen leben weiterhin in Angst vor Gewalt, Diskriminierung und Vertreibung durch islamistischen Terror. Viele haben ihre Heimat bereits verlassen. Syrien ist ein Ursprungsland des Christentums. Der Apostel Paulus berichtete von seinem Erlebnis vor Damaskus: „Als ich nach Damaskus reiste, sah ich auf dem Weg ein Licht vom Himmel, heller als der Glanz der Sonne, dass mich und die mit mir reisten, umleuchtete (Apostelgeschichte 26,12f.). Durch zwei Jahrtausende hindurch hat sich das Christentum in Syrien in vielen Konfessionen entfaltet und den kulturellen Reichtum des Landes mitgeprägt. Vor hundert Jahren bildeten die Christinnen und Christen ein Drittel der Bevölkerung. Heute sind es kaum noch 2 %. Ein Christ leidet nie allein, sondern immer als Teil des Leibes Christi. Wir dürfen die Augen vor dem Leid anderer Christinnen und Christen nicht verschließen. Das setzt eine funktionierende Kommunikation des weltweiten Leibes Christi voraus. Darum sind Menschenrechtsorganisationen, internationale Kirchenkontakte, persönliche Bekanntschaften mit Christen anderer Länder unverzichtbar.
Pastor Klaus-Gerhard Reichenheim, Leiter des Geistlichen Zentrums Kloster Bursfelde