Am 6. März feiern Menschen in über 150 Ländern der Erde den Weltgebetstag. In diesem Jahr lautet das Motto „Kommt, bringt eure Last“, angelehnt an Matthäus 11, 28 - 30. Gastgeber ist Nigeria. Viele katholische, evangelisch-lutherische und evangelisch-reformierte Gemeinden im Landkreis Göttingen feiern diesen Tag mit gemeinsamen Gottesdiensten, Ausstellungen und Verkostungen von Essen aus Nigeria.
In Reiffenhausen organisiert ein ökumenisches Team von Frauen diesen einmaligen Tag im Jahr. „Beim Vorbereiten hat uns besonders überrascht, wie viele Menschen in Nigeria christlich geprägt sind und wie selbstverständlich der Glaube dort zum Alltag gehört. Oft hat man ja zuerst Bilder von Armut oder Konflikten im Kopf, wenn man an Nigeria denkt. Durch die Weltgebetstagsunterlagen haben wir ein vielfältigeres Bild vom Land bekommen – voller Glauben, Gemeinschaft und Lebensfreude“, so Maike Linne, Vorsitzende des Kirchenvorstands der Franziskusgemeinde.
Um 19 Uhr findet in der Kirche ein ökumenischer Gottesdienst statt. Das ist aber noch nicht alles, wie Linne erklärt: „Die Besuchenden erwartet ein fröhlicher und schwungvoller Gottesdienst, der von Ehrenamtlichen gestaltet und geleitet wird – mit mitreißender Musik und vielen Momenten zum Mitfeiern und Mitbeten. Im Anschluss laden wir zu leckeren Kostproben aus Nigeria ein. Dabei bleibt Zeit zum Plaudern, Kennenlernen und Zusammensein in guter Gesellschaft.“
Im ganzen Landkreis Göttingen finden Veranstaltungen zum Weltgebetstag statt, wie zum Beispiel in Mollenfelde. Dort kann ab 14 Uhr eine Ausstellung zum Thema besucht werden. In Hann. Münden wird ökumenisch um 18 Uhr in der Reformierten Kirche gefeiert. Genauso auch in der Innenstadt Göttingen. Dort gibt es sogar zwei Gottesdienste, um 16 und 18:30 Uhr in der Reformierten Kirche. Im Anschluss sind alle zu einem Beisammensein im Gemeindehaus mit Kaffee, Kuchen und Leckereien aus Nigeria eingeladen. In der Martinsgemeinde in Göttingen-Geismar findet um 18 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst mit anschließender Begegnung statt. Dazu laden Frauen aus den Gemeinden Stephanus, Kreuz, Maria, Königin des Friedens und St. Martin ein.
Die 82-jährige Konstanze Schiedeck aus Göttingen-Geismar reist seit über 15 Jahren in die Länder, die im Mittelpunkt der Weltgebetstage stehen und weiß, wie schwierig die Lage in Nigeria ist: „Frauen sind in Nigeria sehr benachteiligt. Sie erfahren Armut, Gewalt, sexuelle Übergriffe, terroristische Überfälle. Oft sorgen sie sich allein um ihre Kinder, weil sich die Männer der Verantwortung entziehen. Frauen sind im Parlament unterpräsentiert, es fehlt die Gleichberechtigung. Mädchen erleben Genitalverstümmelung und Frühverheiratung, obwohl beides gesetzlich verboten ist. Doch die Frauen lernen sich zu behaupten, engagieren sich in der Sozialarbeit und in der Kirche. Sie leiten Bibelstunden, verweisen auf Stellen, die ihre Kompetenz aufzeigen. Wir erleben sie als tatkräftig, mutig, zupackend und froh gestimmt. Ihr Ruf: „Kommt! Bringt eure Last“ gilt uns allen, und so wollen auch wir uns von ihrem Vertrauen in Gottes Handeln in einem Gottesdienst anstecken lassen.“
Für Maike Linne hat der Weltgebetstag eine besondere Bedeutung: „Der Weltgebetstag ist für uns wichtig, weil er Menschen weltweit miteinander verbindet. Wir schauen über den eigenen Tellerrand hinaus und lernen jedes Jahr ein anderes Land und die Lebenswirklichkeit der Menschen dort besser kennen. Gleichzeitig entsteht durch das gemeinsame Beten und Feiern ein starkes Gefühl von Gemeinschaft – hier vor Ort und über Ländergrenzen hinweg.“