Gemeinden im Landkreis Göttingen feiern Weltgebetstag

Nachricht Göttingen, 27. Februar 2026
Das Vorbereitungsteam um Maike Linne (2.v.l) freut sich auf den ökumenischen Gottesdienst zum Weltgebetstag.

Am 6. März feiern Menschen in über 150 Ländern der Erde den Weltgebetstag. In diesem Jahr lautet das Motto „Kommt, bringt eure Last“, angelehnt an Matthäus 11, 28 - 30. Gastgeber ist Nigeria. Viele katholische, evangelisch-lutherische und evangelisch-reformierte Gemeinden im Landkreis Göttingen feiern diesen Tag mit gemeinsamen Gottesdiensten, Ausstellungen und Verkostungen von Essen aus Nigeria.

In Reiffenhausen organisiert ein ökumenisches Team von Frauen diesen einmaligen Tag im Jahr. „Beim Vorbereiten hat uns besonders überrascht, wie viele Menschen in Nigeria christlich geprägt sind und wie selbstverständlich der Glaube dort zum Alltag gehört. Oft hat man ja zuerst Bilder von Armut oder Konflikten im Kopf, wenn man an Nigeria denkt. Durch die Weltgebetstagsunterlagen haben wir ein vielfältigeres Bild vom Land bekommen – voller Glauben, Gemeinschaft und Lebensfreude“, so Maike Linne, Vorsitzende des Kirchenvorstands der Franziskusgemeinde.

Um 19 Uhr findet in der Kirche ein ökumenischer Gottesdienst statt. Das ist aber noch nicht alles, wie Linne erklärt: „Die Besuchenden erwartet ein fröhlicher und schwungvoller Gottesdienst, der von Ehrenamtlichen gestaltet und geleitet wird – mit mitreißender Musik und vielen Momenten zum Mitfeiern und Mitbeten. Im Anschluss laden wir zu leckeren Kostproben aus Nigeria ein. Dabei bleibt Zeit zum Plaudern, Kennenlernen und Zusammensein in guter Gesellschaft.“

Im ganzen Landkreis Göttingen finden Veranstaltungen zum Weltgebetstag statt, wie zum Beispiel in Mollenfelde. Dort kann ab 14 Uhr eine Ausstellung zum Thema besucht werden. In Hann. Münden wird ökumenisch um 18 Uhr in der Reformierten Kirche gefeiert. Genauso auch in der Innenstadt Göttingen. Dort gibt es sogar zwei Gottesdienste, um 16 und 18:30 Uhr in der Reformierten Kirche. Im Anschluss sind alle zu einem Beisammensein im Gemeindehaus mit Kaffee, Kuchen und Leckereien aus Nigeria eingeladen. In der Martinsgemeinde in Göttingen-Geismar findet um 18 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst mit anschließender Begegnung statt. Dazu laden Frauen aus den Gemeinden Stephanus, Kreuz, Maria, Königin des Friedens und St. Martin ein.

Die 82-jährige Konstanze Schiedeck aus Göttingen-Geismar reist seit über 15 Jahren in die Länder, die im Mittelpunkt der Weltgebetstage stehen und weiß, wie schwierig die Lage in Nigeria ist: „Frauen sind in Nigeria sehr benachteiligt. Sie erfahren Armut, Gewalt, sexuelle Übergriffe, terroristische Überfälle. Oft sorgen sie sich allein um ihre Kinder, weil sich die Männer der Verantwortung entziehen. Frauen sind im Parlament unterpräsentiert, es fehlt die Gleichberechtigung. Mädchen erleben Genitalverstümmelung und Frühverheiratung, obwohl beides gesetzlich verboten ist. Doch die Frauen lernen sich zu behaupten, engagieren sich in der Sozialarbeit und in der Kirche. Sie leiten Bibelstunden, verweisen auf Stellen, die ihre Kompetenz aufzeigen. Wir erleben sie als tatkräftig, mutig, zupackend und froh gestimmt. Ihr Ruf: „Kommt! Bringt eure Last“ gilt uns allen, und so wollen auch wir uns von ihrem Vertrauen in Gottes Handeln in einem Gottesdienst anstecken lassen.“

Für Maike Linne hat der Weltgebetstag eine besondere Bedeutung: „Der Weltgebetstag ist für uns wichtig, weil er Menschen weltweit miteinander verbindet. Wir schauen über den eigenen Tellerrand hinaus und lernen jedes Jahr ein anderes Land und die Lebenswirklichkeit der Menschen dort besser kennen. Gleichzeitig entsteht durch das gemeinsame Beten und Feiern ein starkes Gefühl von Gemeinschaft – hier vor Ort und über Ländergrenzen hinweg.“

Weltgebetstag in der Franziskusgemeinde in Reiffenhausen

Über Nigeria

Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas – vielfältig, dynamisch und voller Kontraste. Mit über 230 Millionen Menschen vereint der „afrikanische Riese“ über 250 Ethnien mit mehr als 500 gesprochenen Sprachen. Die drei größten Ethnien sind Yoruba, Igbo und Hausa, aufgeteilt in den muslimisch geprägten Norden und den christlichen Süden. Außerdem hat Nigeria eine der jüngsten Bevölkerungen weltweit, nur 3% sind über 65 Jahre alt. Dank der Öl-Industrie ist das Land wirtschaftlich stark, mit boomender Film- und Musikindustrie. Reichtum und Macht sind jedoch sehr ungleich verteilt. In Nigeria werden Lasten von Männern, Kindern vor allem aber von Frauen auf dem Kopf transportiert. Doch es gibt auch unsichtbare Lasten wie Armut und Gewalt. Das facettenreiche Land ist geprägt von sozialen, ethnischen und religiösen Spannungen. Islamistische Terrorgruppen wie Boko Haram verbreiten Angst und Schrecken. Die korrupten Regierungen kommen weder dagegen an, noch sorgen sie für verlässliche Infrastruktur. Umweltverschmutzung durch die Ölindustrie und Klimawandel führen zu Hunger. Armut, Perspektivlosigkeit und Gewalt sind die Folgen all dieser Katastrophen.

Über den Weltgebetstag

Der Weltgebetstag ist die größte ökumenische Basisbewegung christlicher Frauen weltweit. Der Gottesdienst zum Weltgebetstag wird jedes Jahr von christlichen Frauen aus einem anderen Land vorbereitet und am ersten Freitag im März in mehr als 150 Ländern gefeiert. Er versteht sich als Gebetskette rund um die Welt. Allein in Deutschland nehmen jährlich rund 800.000 Menschen teil, weltweit sind es mehrere Millionen. Teilnehmende kommen aus römisch-katholischen, evangelischen oder freikirchlichen Gemeinden wie Mennoniten, Herrnhuter Brüdergemeine, Baptisten und Methodisten, oder sie gehören zur alt-katholischen, der orthodoxen Kirche und der Heilsarmee. Die Idee eines Frauen-Gebetstags nahm bereits 1887 in den USA und Kanada ihren Anfang. Der erste internationale Gebetstag wurde 1927 gefeiert.