Die Straßensozialarbeit Göttingen, eine Diakonieeinrichtung im Ev.-luth. Kirchenkreis Göttingen-Münden, sucht Vermietende im Raum Göttingen für das Modellprojekt „Wohnraumakquise“, das sie mit Unterstützung des Landes Niedersachsen durchführt. Es soll wohnungs- und obdachlosen Menschen Zugang zu angemessenem Wohnraum erleichtern.
Im Auftrag des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung hat die Zentrale Beratungsstelle Niedersachsen mit Göttingen, Twistringen, Gifhorn und Hannover vier Modellstandorte ausgewählt, die in einer dreijährigen Modellphase (in Göttingen bis 29.02.2028) mit zusätzlichen Ressourcen, unter anderem einer Förderung von rund 170.000 Euro pro Jahr, unterstützt und fachlich im Rahmen einer Evaluation begleitet werden. Danach ist in Göttingen eine Versteigung des Projekts angestrebt.
Im März 2025 gestartet, haben die Mitarbeitenden des Projekts bereits 15 Menschen in eine Wohnung vermitteln können. „Wir suchen aber weiter nach Vermieter:innen, die unseren Klient:innen eine Wohnung zur Verfügung stellen können“, so Straso-Leiter Mike Wacker. Nach rund 130 Wohnungssuchenden auf der Warteliste, habe man diese im Juli erstmal schließen müssen, da die Nachfrage größer war, als das Angebot.
„Wir schauen uns jede Wohnung genau an, bevor wir sie den Wohnungssuchenden anbieten“, so Sozialarbeiter Daniel Rainers. „Dazu gehört das Umfeld, die Infrastruktur, die Größe und der Preis.“ Wenn alles passt, besichtigen die Sozialarbeitenden die Wohnung zusammen mit den Wohnungssuchenden. Neben Rainers arbeiten Bauingenieurin Ilona Puntschuh und Sozialarbeiterin Christine Euler-Schlote im Projekt mit.
Ralf Bokelmann, der zuvor vier Jahre auf der Straße gelebt hat, hat sich den Traum einer eigenen Wohnung durch das Projekt erfüllt. Seit einigen Monaten lebt er auf rund 25 m² und freut sich über ein warmes und sicheres Zuhause. Früher habe er des Öfteren neben der St. Johanniskirche Göttingen übernachtet. Seit der dort eines Nachts überfallen und verletzt wurde, fühlte er sich auf der Straße nicht mehr sicher. In seiner neuen Wohnung in Geismar genießt er es wieder selbst zu kochen. Das erinnere ihn an seine frühere Arbeit in einer Großküche. Die Nachbarn seien auch sehr nett und hätten ihm sogar beim Umzug geholfen. Auch Torsten Molzon freut sich über seine Wohnung in Weende. Ein Zuhause zu haben habe ihm auch dabei geholfen stabil zu bleiben. Früher sei er alkohol- und drogenabhängig gewesen, habe dadurch Termine nicht einhalten können und seine Gesundheit sei in einem sehr schlechten Zustand gewesen. Jetzt gehe es ihm wieder gut.
Für den Geschäftsführer des Diakonieverbands Göttingen Jörg Mannigel ist das Projekt sehr wichtig. „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass der Wohnungsmarkt alleine die Wohnungslosigkeit nicht regeln wird. Wir brauchen Unterstützung für bestimmte Zielgruppen.“
„Die Mitarbeitenden des Modellprojektes sind sowohl für die Vermietenden ansprechbar, als auch für die Mietenden“, erklärt Wacker. „Die Erfahrungen zeigen, dass es äußerst selten Schwierigkeiten gab. Falls es doch dazu kommen sollte, gehen unsere Sozialarbeiter:innen den Problemen nach und kümmern sich um eine Lösung.“
Wenn Sie Wohnraum zur Verfügung stellen können, wenden Sie sich gerne an die Mitarbeitenden des Projekts unter der Telefonnummer: 0551 5179824 oder per E-Mail an: wohnraumakquise.straso.goettingen@evlka.de.
v.l.: Jörg Mannigel, Mike Wacker, Torsten Molzon, Ralf Bokelmann, Christine Euler-Schlote und Daniel Rainers