Die Telefone auf den Pulten in der St. Johanniskirche Göttingen zeigen gleich worum es geht. Ob Einsamkeit, Schulstress oder Suizid-Gedanken – Wenn man nicht mehr weiterweiß und niemanden zum Reden hat, dann sind sie für die Menschen da: Die Mitarbeitenden der TelefonSeelsorge. Kostenlos und rund um die Uhr. Am 10. Oktober hat die Telefonseelsorge Göttingen ihr 50-jähriges Bestehen mit einem Festgottesdienst gefeiert.
85 Gäste, darunter viele Ehrenamtliche, aber auch aktuelle und ehemalige Hauptamtliche der TelefonSeelsorge, eine Einrichtung im Ev.-luth. Kirchenkreis Göttingen-Münden, sowie weitere Gäste aus Diakonie, Kirche, Politik und Gesellschaft waren gekommen, um das Jubiläum mit Leiterin Annemarie Pultke, der stellvertretenden Leiterin Susanne Pfennig-Wiesenfeldt und Sekretärin Sylvia Lüder zu feiern und Geschenke zu überreichen. Pastorin Pultke ist dankbar über das große ehrenamtliche Engagement über die gesamte Zeit: „Es sind über die Jahrzehnte sehr viele ehrenamtlich motivierte Menschen, weit über die Stadtgrenzen hinaus, die ihre Zeit, ihr Herz und ihr Ohr Menschen in Kummer und Verzweiflung geliehen haben. Menschen, die bereit sind und waren, sich für eine längere Zeit zu binden, zuerst mit einer Ausbildung und dann mit einer Verlässlichkeit und ehrenamtlichem Einsatz über Jahre für eine Aufgabe, die manchmal belastend und kräftezehrend ist, manchmal wunderbar, und meistens wirklich not-wendend. Das verdient hohen Respekt!“
In ihrer Predigt ging Pastorin Pultke noch einmal auf die Anfänge der TelefonSeelsorge ein, als es noch viel Kritik gab. Es würden keine Profis am Telefon sitzen, die den Menschen nicht so helfen könnten, wie studierte Psycholog:innen. Doch dem konnte die TelefonSeelsorge etwas entgegensetzen. Ihre hohen Standards, die Ausbildung, die die Ehrenamtlichen vor dem ersten Einsatz absolvieren müssen und vor allem Menschlichkeit und Mitgefühl am Telefon. „Unsere Telefonseelsorger:innen sind echt, lebendig und verschieden“, betont Pultke. „Wir feiern heute diese Menschen, die bereit sind, sich für ihre Mitmenschen einzusetzen. Unentgeltlich. Die bereit sind, sich auf verschiedenen Krisen und Stimmungen immer wieder neu einzulassen.“
Begonnen hatte alles 1975 voller Idealismus und Begeisterung etwas Gutes für die Stadt zu bewirken, erläutert Pultke. Kirchliche Arbeit sollte in die Welt hinausstrahlen. Heute arbeiten rund 60 Personen bei der Telefonseelsorge in Göttingen und sind täglich rund um die Uhr unter der Nummer: 0800/1110111 für die Anrufenden da. Sechs Schichten pro Tag werden von den Ehrenamtlichen abgedeckt. Eine von ihnen ist eine Frau, die seit dem 2. Ausbildungsjahrgang vor fast 50 Jahren mit dabei ist. Da alle Anrufenden, aber auch die Telefonseelsorger:innen anonym bleiben, erhält sie für ihr Engagement das Kronenkreuz der Diakonie Deutschland in Gold abseits von den Feiernden. Pastorin Pultke lobte sie als Frau mit feinem Sinn, die ganz nah an den Anrufenden ist und die rücksichtsvoll fragend versucht zu verstehen, was die Anrufenden bewegt.