Das Wichtigste seien die Menschen, auch, wenn es gleich fast nur um Zahlen gehe, sagte Organisationsberater Ulrich Gensch, bevor er der Synode des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Göttingen-Münden in deren Sitzung am 13. November 2025 im Mündener Welfenschloss die wirtschaftliche Situation der neuen Arbeit Brockensammlung (NAB) vorstellte.
Mit Zahlen der NAB befasste sich die Synode nicht zum ersten Mal, denn die NAB hat seit einigen Jahren mit Defiziten zu kämpfen. Sie ist ein diakonischer Eigenbetrieb des Kirchenkreises, das heißt, der Evangelisch-lutherische Kirchenkreis Göttingen-Münden fängt die Defizite auf. Diese auf Null zu reduzieren ist das erklärte Ziel. Bis zum Jahr 2017 war das Betriebsergebnis der NAB positiv, seitdem wird es wirtschaftlich schwieriger. Hauptursache: ein, wie Gensch sagte „dramatischer Rückgang an Fördermitteln“. Längst werden die Maßnahmen und Projekte, in denen bei der NAB Langzeitarbeitslose beschäftigt und geschult werden, nicht mehr nur aus einer Quelle gespeist, sondern aus vielen verschiedenen Programmen. „Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier“ (BIWAQ, Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen), Bundesfreiwilligendienst, Maßnahmen über das Jobcenter und andere mehr nannte Gensch. Akquise und Antragstellung seien dadurch sehr aufwendig geworden, die Einnahme an dieser Stelle habe sich von einer Million auf gut 500.000 Euro fast halbiert. Einen zweiten großen Einnahmeverlust skizzierte er in Zusammenhang mit der Tischlerei, wo nach einem Personalwechsel fast der komplette Kundenstamm weggebrochen war und die Auftragslage stark schwanke.
Im Jahr 2023 verzeichnete die NAB ein Defizit von gut 200.000 Euro. Seitdem wird gegengesteuert, was erste Erfolge zeigt. Tischlerei und Malerbetrieb wurden unter einer Leitung zusammengelegt, sodass die Mitarbeitenden flexibel eingesetzt werden können und Dienstleistungen aus einer Hand bieten. Personal wurde abgebaut, die Buchhaltung angepasst, Leitung neu definiert. Der Wirtschaftsplan für das Jahr 2024 hatte noch ein Minus in Höhe von rund 67.000 Euro errechnet, das tatsächliche Ergebnis fällt mit knapp 39.000 Euro sogar besser aus. Die für dieses Jahr geplante „schwarze Null“ werde allerdings nicht erreicht werden können. Dennoch drückte sich Gensch zuversichtlich aus, es gebe eine leichte Tendenz nach oben. Da die NAB zur Kompensation von Kostensteigerungen nicht einfach die Preise in ihren Gebrauchtwarenläden erhöhen könne – das sind in Göttingen das Gebrauchtmöbelhaus in der Levinstraße sowie die Second-Hand-Läden KIM, Angerstraße, und Klamotte, Weender Landstraße – wird an anderen Stellen an der Verbesserung der Ergebnisse gearbeitet. Erscheinungsbild und Warenpräsentation wurden und werden verbessert, neue Produkte und Dienstleistungen sollen aufgenommen, nicht Lukratives indes aus dem Sortiment genommen werden. In diesem Jahr wurde das Personal nicht weiter reduziert, im nächsten Jahr ist an dieser Stelle ein weiterer Abbau geplant, jedoch ohne betriebsbedingte Kündigungen. Wichtig sei auch, schnelle Entscheidungswege sicherzustellen, so Gensch. Mit einem Jahresumsatz von 2,5 Millionen Euro müsste die NAB wie ein Wirtschaftsunternehmen geführt werden, kirchliche Verwaltungsstrukturen sind damit nicht immer kompatibel.
Die NAB hat derzeit 27 Mitarbeiter*innen. Im vergangenen Jahr haben 269 Menschen durch die NAB wieder Teilhabe an der Gesellschaft gefunden, in diesem Jahr werden es mindestens ebenso viele Teilnehmer*innen sein.