„Alles hat seine Zeit“ heißt es in der St. Blasius Kirche in Hann. Münden (Ziegelstraße, Höhe Hausnummer 16) bis zum 28. Juni: Die Dransfelder Künstlerin Helga Reimann hat Zeitläufe und Zeitgeschehen ins Bild gesetzt. In ihren Collagen und Gemälden spürte sie dem nach, was unter dem Begriff „Zeit“ alles passiert. Von den Jahreszeiten bis zu technischen und geschichtlichen Entwicklungen ist daraus eine Ausstellung mit großer Vielfalt und Tiefe zum Thema entstanden. Besuchen kann man diese täglich von 11 bis 17 Uhr, Eintritt frei. Im Gottesdienst am Sonntag, 10. Mai, ab 10 Uhr, wird es eine Einführung in die Ausstellung geben. Die Künstlerin bietet zum Besuch der Ausstellung aber auch ein Begleitheft an und lädt ein, mit diesem die Bilder zu erkunden oder einfach ganz in Ruhe darin zu blättern und zu lesen.
Zeitläufe, Lebenszeit, Zeitgeist, Zeitzeichen – am Anfang ihres Projektes stand das Sammeln. Dabei habe sich für sie herauskristallisiert, das alles seine Zeit habe, beschreibt es die Dransfelder Künstlerin. Das korrespondiert mit dem Bibelabschnitt Prediger, Kapitel 3, dem sie eine eigene künstlerische Umsetzung widmete. Unter „Zeitspuren“ erinnert sie an „Lost Places“. Eine „Zeitreise“ unternimmt sie am Beispiel der Heilstätten Beelitz, eine Einrichtung, die mit ihrer wechselvollen Geschichte steinerner Zeuge politischer und gesellschaftlicher Umbrüche ist. Gebaut als moderne Lungeheilanstalt diente das Krankhaus in den beiden Weltkriegen als Lazarett, wurde verlassen und zum „Lost Place“, zur Filmkulisse und ist heute eine Touristenattraktion, die sogar von einem Baumwipfelpfad aus betrachtet werden kann.
Helga Reimanns „Zeitzeugen“ sind Trägerinnen und Träger des Friedensnobelpreises, Menschen, die sich dafür einsetzen, dass wir in besseren Zeiten leben können. Aus allen Preisträger:innen hat sie 15 ausgewählt, Frauen und Männer aus den verschiedensten Gegenden der Welt. Begonnen hat sie diese Serie zunächst auf speziellem Karton, wechselte dann aber zu ihrer bewährten Collagentechnik auf Leinwand. Hier spiegeln dann auch die verwendeten Elemente den Inhalt wider. So arbeitete sie in das Portrait Mahatma Ghandis ein Stück Leinen ein, da in seinem Wirken die Befreiung der Textilarbeiter eine große Rolle gespielt habe, sagt sie. Manchmal überraschten ihre Bilder sie auch selbst. So stellte sie nach Fertigstellung des Portraits von Denis Mukwege, der sich für Mädchen und Frauen, die Opfer sexualisierter Kriegsgewalt wurden, einsetzt, fest, dass Formen im Hintergrund sehr weiblich wirken.
Neben der Recherche zu ihren Themen sei die Suche nach dem richtigen Material der aufwendigste Teil der Arbeit, sagt Helga Reimann. Das Material spielt in ihren Arbeiten eine wichtige Rolle. So gehörte die Suche nach dem Rohstoff für ihre Chronologie des Kulturgutes Schrift ganz unmittelbar ins Thema: Von der Höhlenmalerei über den Buchdruck bis zum E-Book zeigt eine Serie von Collagen die Entwicklung aufgezeichneter Kommunikation. Verwendet hat sie dafür Sperrholz und ausschließlich Bilderrahmen vom Sperrmüll – also Material, das seine Zeit eigentlich hinter sich hatte, im Kunstprojekt aber eine neue bekommt. Fazit: Besucherinnen und Besucher sollten sich unbedingt auch ihrerseits etwas Zeit für die Ausstellung nehmen, denn es gibt dort viel zu entdecken.