Der bundesweite Aktionstag gegen Glücksspielsucht am 30. September steht in diesem Jahr unter dem Motto „Suchtmittel Glücksspiel – Massive Werbung, wenig Schutz!“. Denn: Obwohl Glücksspielsucht eine Erkrankung mit massiven psychosozialen und finanziellen Folgeschäden für Betroffene und deren Angehörigen sei, sei Glücksspielwerbung allgegenwärtig, beschreibt es die Niedersächsische Landesstelle für Suchtfragen (NLS, Webseite: Mitmach-Kampagne zum Aktionstag Glücksspielsucht - Niedersächsische Landesstelle für Suchtfragen). Die Fachstelle für Sucht und Suchtprävention der Diakonie Göttingen-Münden schließt sich dem an und wird am 30. September mit einer Aktion in der Göttinger Innenstadt auf die Problematik aufmerksam machen: An mehreren Stellen innerhalb des Walls werden temporäre Graffitis aufgesprüht, Sprechblasen, die auf das Thema aufmerksam machen, und der Kontakt zur Präventionsstelle.
Glücksspiel wird häufig als harmloser Freizeitspaß dargestellt. Die Risiken von Verschuldung, Kontrollverlust und Suchterkrankungen treten dagegen in den Hintergrund. In Niedersachsen haben Hochrechnungen zufolge mittlerweile mehr als 400.000 Menschen eine glücksspielbezogene Störung oder weisen ein riskantes Spielverhalten auf.
Die Möglichkeit, Glücksspielangebote zu bewerben, steht aus suchtfachlicher Perspektive im Widerspruch zu Zielen des Spieler-, Jugend- und Gesundheitsschutzes. Während für andere gesundheitsschädliche Produkte und Suchtmittel längst weitreichende Werbebeschränkungen gelten, bleibt Glücksspielwerbung in vielen Bereichen weiterhin erlaubt.
Werbung trägt maßgeblich dazu bei, Glücksspiel zu normalisieren und als alltäglichen Bestandteil des Lebens erscheinen zu lassen. Insgesamt hat die Glücksspielbranche in Deutschland im Jahr 2025 mehr als 620 Millionen Euro für Werbung ausgegeben (Zahlen und Statistiken | Hessen RP Darmstadt). Damit gehörte sie zu den zehn Branchen mit den größten Werbebudgets.
Glücksspielwerbung verfolgt ein klares Ziel: Sie soll Menschen zur Teilnahme am Glücksspiel motivieren und neue Zielgruppen erschließen. Dabei setzt moderne Werbung gezielt auf emotionale Botschaften, Gewinnversprechen sowie die Verknüpfung mit Sport, Unterhaltung und Gemeinschaft. Hinzu kommen personalisierte und zielgruppenspezifische Werbeformen, die individuell auf Nutzer:innen zugeschnitten sind.
„Glücksspielwerbung ist kein harmloser Begleiter von Freizeit und Sport, sondern ein wesentlicher Treiber der Normalisierung. Deshalb fordern wir ein Ende von Sponsoring, Dachmarkenwerbung und anreizenden Online-Kampagnen sowie ein klares Verbot von Boni und Freiwetten als Werbemittel“, so Kristin Otte, Fachkraft für Glücksspielprävention und Beratung bei der Diakonie in Göttingen.
Ein aufschlussreicher Indikator für die Intensität von Glücksspielwerbung sind die Abfragen im bundesweiten Sperrsystem OASIS. Bevor Glücksspielanbieter personalisierte Werbung oder individuelle Glückssielangebote versenden dürfen, müssen sie prüfen, ob die Adressat:innen gesperrt sind. Die Zahl dieser Abfragen zeigt, in welchem Umfang Glücksspielanbieter werben: Im Juli 2026, dem Monat der Fußball-WM, wurden rund 543 Millionen Abfragen für Werbung, Boni und Rabatte durchgeführt. Solche Abfragen machten damit rund 89% der Gesamtabfragen aus, während nur 11% auf verpflichtende Abfragen vor einer Glücksspielteilnahme entfielen.
Der bundesweite Aktionstag gegen Glücksspielsucht macht jährlich auf die Folgen problematischen Glücksspiels aufmerksam. Glücksspielsucht ist eine anerkannte Suchterkrankung, die gravierende Auswirkungen auf die psychische Gesundheit, die finanzielle Situation und das soziale Umfeld der Betroffenen haben kann.
Wer feststellt, dass Glücksspiele zunehmend Zeit, Gedanken oder Geld bestimmen, sollte frühzeitig Unterstützung suchen. Die niedersächsischen Fachkräfte für Glücksspielsuchtberatung beraten kostenlos, vertraulich und auf Wunsch anonym.
Kontakt:
Fachstelle für Sucht und Suchtprävention Diakonieverband Göttingen-Münden
Kristin Otte
Neustadt 18 | 37073 Göttingen
Tel.: 0551 38905 180